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Palais Royal - Serge Lutens

1992 wurden die „Salons du Palais Royal“ eröffnet. Dieses erste Haus der Düfte wurde von Serge Lutens gegründet und richtet sich an passionierte Parfumliebhaber.

- Wie ist diese Serge Lutens-Boutique im Palais Royal entstanden?

Der Zufall hatte es eilig und hat mich dorthin geführt. Ich habe ihn nicht warten lassen.
Ich kannte das Palais Royal flüchtig, aber das genügte mir nicht. 1990 suchte ich nach einem Standort, das heißt einer Boutique. Es war gar nicht schwierig: Dort standen viele Geschäfte leer. Die restlichen waren von einem Sammelsurium aus Antiquariaten (für seltene Bücher, Autogramme, Signaturen), Glas- und Porzellangeschäften, Zinnsoldatenhändlern und Second-Hand-Shops für Haute Couture belegt. In diesem in sich geschlossenen Gebäude war eine ganz eigene, kleine Welt entstanden.
Ich fühlte mich wie in meinem Haus in Marokko, umgeben von Wänden und geborgen – wie im Mutterleib! Das Zentrum von Paris, vor der Hauptstadt geschützt: Man konnte dort nicht parken. Man muss beschließen, dorthin zu gehen.

- War das nicht ein wenig paradox, eine Boutique gerade an einem so unzugänglichen Ort einzurichten?

Nein, denn ich hatte von Anfang an im Sinn, ein Publikum von Parfum-Liebhabern anzusprechen, keine Laufkundschaft.

- Aber diese Vision, die Sie mir gerade erklären, gab es doch damals noch gar nicht ...

Für das, was ich vorhatte, war es so allerdings am besten. Damals drehte sich die Welt der Parfums im Kreis, und der Zeit der großen Markteinführungen und spektakulären Coups wegen Geringfügigkeiten war die Luft ausgegangen. Man muss sich sein Publikum erfinden. Das ist auch heute noch so. Denn nach diesem Prinzip funktioniert mein Haus der Düfte: Es sollte ein weltweit einzigartiger Ort sein, den nur Kenner aufsuchen, die sich über ihr Parfum definieren. Die Kunden sollten hier etwas finden, das sich von der persönlichkeitslosen Masse der übrigen Parfums abhob, die uns die Jahre davor beschert hatten.

- Haben Sie auch die außergewöhnliche Einrichtung der Salons – denn damals hießen sie ja noch so – mit Blick auf dieses Konzept der Erlesenheit ausgewählt?

Jeder Kunde sollte seine persönliche Wahl treffen können. Darum musste ich mir etwas ausdenken und diese Idee dann in Szene setzen. Ich habe die Dekoration erfunden, nicht aus dem Hut gezaubert. Die Farben und auch die Eindrücke, die sie hervorrufen, sollten meine Handschrift tragen: Darum wählte ich Violett und Schwarz. Ich träumte von einem Ort, an dem man sich einfach treiben lassen kann, wie Fische im Fluss. Daher wurde jedes Detail der Motive, Friese und Paneele genau durchdacht und auf der Grundlage von Interpretationen der vorhandenen Dokumentation neu entworfen. So bleiben die Salons dem Ambiente treu, das sie im Anschluss an die Französische Revolution und die Phase der Schreckensherrschaft (passenderweise „La Terreur“ genannt) prägte. In dieser Zeit konnte man erleben, wie sich junge, modebewusste Royalisten mit Moschus und Muskat parfümierten, wie später Léon Blum. Deshalb wurden sie als „Muscadins“ oder „Incroyables“, die Unglaublichen, bezeichnet. Ihre weiblichen Pendants waren die „Merveilleuses“, die Wunderbaren, die noch vor Joséphine de Beauharnais Rosenduft verwendeten. Damals pflegte man zu behaupten, es sei die Rolle der Frauen, sich in Blütendüfte zu hüllen – so wie es die Rolle dieser Salons war, alte Gewohnheiten abzulegen und den Weg durch die Hölzer zu wählen.

- Heute haben sich viele berühmte Marken im Palais-Royal niedergelassen. Fühlen Sie sich dort noch immer „zu Hause“?

Es hat sich in der Tat verändert, aber es ist immer noch eine ganz eigene Welt. Der Ort wahrt die Distanz. Im Laufe der Zeit wird manches akzeptiert, anderes abgelehnt. Mich stören diese heruntergekommenen Boutiquen schon. Es ist, als würde man plötzlich alle Punkte, Gedankenstriche und Zitate aus einem Text streichen … und ich fürchte auch, dass die Entschlossenheit, das Palais Royal zu erneuern, es eher altern lässt. Würde man es einfach so altern lassen, könnte es dabei vielleicht wieder jünger werden. Denken Sie nur an die Springbrunnen auf der Place de la Concorde: Früher waren sie so grau, wie Paris und sein Himmel schön waren – und vor allem waren sie Teil von uns!

Palais Royal - Serge Lutens
Jardins du Palais Royal, 142 Galerie de Valois
75001 Paris
Tel : 01 49 27 09 09
Montag bis Samstag von 11.00 bis 19.00 Uhr (außer an Feiertagen)